Mittwoch, 9. Juni 2021

Pinselchen und die goldenen Ringe 3




So schickte man nach Frau Eule.

Die ließ ausrichten, dass sie nicht vor Mitternacht kommen könnte.

Da hatten aber Pinselchen und seine Freundin ein Problem. Nie und nimmer würden sie um die Zeit außer Haus sein dürfen und einfach wegbleiben und den Eltern Sorgen bereiten, das ginge auch nicht.

So kam man überein, dass Frau Eule sich mit dem Kräuterweiblein besprechen und man Pinselchen und Fräulein Maus eine Botschaft schicken würde. Frau Amsel könnte das sicherlich übernehmen.

Da Frau Eule viel herum kam, hörte sie, als sie eines Nachts auf dem Daches des gräflichen Hauses saß, dass der Graf eine große Belohnung für den Finder ausgesetzt hatte. Der Graf aber nicht mehr daran glaubte, die Ringe jemals wieder zu sehen. Sicherlich waren sie schon in alle Winde verstreut oder zerstört, eingeschmolzen und was Neues daraus entstanden aber daran wollte er gar nicht denken.

Nach ein paar Tagen und vielem Nachdenken, hatte Frau Eule eine Idee. Sie nahm ein großes Ahornblatt und flog damit nach Einbruch der Nacht zur Kräuterfrau, landete auf dem Dach und rief mit lautem Huhuu, huhuu nach ihr. Sogleich öffnete Hedwig, wie die Kräuterfrau mit Namen hieß, dem Nachtvogel und ließ ihn ein. In der kleinen, gemütlichen Küche, in der noch die Restwärme des Herdfeuers zu spüren war, saßen sie nun und besprachen was zu tun sei.

Frau Eule würde die Ringe zurückbringen und dem Grafen aufs Fensterbrett seines Schlafgemaches legen, eingewickelt in das Ahornblatt und daraus sollte ein kleines Zettelchen hervor spitzen, auf dem er lesen konnte wie es sich zugetragen hatte. Nichts dazu gemacht, nichts weg gelassen die ganze Wahrheit so war es am Besten, denn Lügen haben kurze Beine, das will besagen, man kommt ihnen dahinter früher oder später und dann ist es mit dem Vertrauen so eine Sache.

Gesagt, getan, erst flog Frau Amsel zu Pinselchen und sagte Bescheid. Sie saß auf einem Ast oberhalb des Luchsbaues und wartete, dass der Kleine herauskam.

Es dauerte und dauerte und als Frau Amsel schon ungeduldig zu zetern anfing und Frau Luchs nachschaute, was denn da los sei und woher Gefahr drohen könnte, da sah sie die Amsel und fragte: „Was ist los Frau Amsel, warum so laut in aller Frühe?“

Frau Amsel berichtete ihr was Sache war. Frau Luchs machte große Augen und war sogar nicht erfreut, was sie da zu hören bekam. Ihr Kleiner hatte Freundschaft mit einem Zweibeiner geschlossen, das kommt ja immer toller reichte es nicht, dass er Gevatter Fuchs Sohn als Freund hatte und wer weiß noch wen alles, nein, es muss auch noch einer von der Gattung Mensch sein und wie sie das Wort aussprach, voller Verachtung.

Da wurde aber Frau Amsel laut und schimpfte ordentlich mit Frau Luchs und dass das Kräuterweiblein nicht nur so ein Mensch sei, sondern eine ganz liebe alte Großmutter, die vielen Tieren hilft. Vor allem im Winter, weil sie ein großes Herz hat.

Am Ende ließ sich Mutter Luchs überzeugen und holte ihr Sorgenkind aus dem Bau. Frau Amsel sagte ihm, was besprochen worden war und ein Schatz zurückgegeben werden musste, wenn man weiß, wem er gehört.

Da war die Enttäuschung groß und Pinselchen machte ein trauriges Gesicht. So traurig ihren Kleinen zu sehen, das berührte gar arg der Mutter Herz und so nahm sie ihn an ihre Brust und erklärte ihm ganz sachte, was man mit gefundenen Sachen machen muss, wenn man weiß, wem sie gehören, zurückgeben so schnell als möglich.

Er sah es ja ein, dass der Eigentümer seinen Schatz wieder haben wollte, aber auf der anderen Seite, wenn sie ihn nicht gefunden hätten, hätte er ihn auch nicht und außerdem und sowieso.Mutter Luchs sagte zu Pinselchen mit gutem Gewissen kannst du fremdes Gut nicht behalten. Du wärst so was wie ein Dieb und auch du wärest froh, Verlorenes wieder zu bekommen, oder?

Da musste Pinselchen nicken und zugeben, dass die Mutter, wie so oft, leider recht hatte , wenn ihm auch ein tiefer Seufzer aus der Brust entwich und ein paar Tränchen die Backen entlang kullerten.

Pinselchen lief schnell zu Fräulein Maus und erzählte es ihr und auch sie war traurig und doch ein bisschen froh zugleich.



Motgen geht es weiter



 

1 Kommentar:

  1. Wieder so schön Roswitha und Lore. Freue mich schon auf die nächste Fortsetzung!

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