Dienstag, 16. Juli 2019

Geschichten aus dem Zauberwald - Aurelia 2



Und der schnellste Läufer, der Wichtel Springinsfeld wird zu Gernot gesandt.
Das fröhliche Wispern, Lachen und Singen ist verstummt.
Unwirsch hat einen Hauch des Bösen hinterlassen.


 
(c) meine Tochter


Mit langsamen, schleppenden Schritten tappt der Drache Kalypso durch den Wald.
Immer, wenn er einen Fuß aufsetzt, bebt die Erde.
Stille herrscht im Wald.
Das fröhliche Gezwitscher der Vögel ist verstummt.
Verängstigt kuscheln sie in ihren Nestern.
Eichkätzchen flitzen die Bäume hoch, um sich im dichten Geäst zu verstecken.
Füchse und Dachse huschen in ihren Bau.
Käfer und Ameisen krabbeln eilig davon, um nicht zertreten zu werden.
Tiefe Stille legt sich über den Wald.
Nur das Stampfen der Drachenbeine und das Klirren der Waffen von Unwirsch und seinen Soldaten ist zu hören.
In der Nähe des Schmetterlingsreiches kettet Unwirsch den Drachen an einen Felsen.
Liebevoll tätschelt er dessen Hals und Kalypso schließt mit wohligem Seufzer die Augen.
Der Koboldkönig tritt an das Tor und fordert die Wachen auf, die Königin zu holen.




Anmutig schwebt Aurelia durch den Garten, begleitet von den Wichteln und Elfen.
Die Wachen haben ihr bereits von dem Drachen erzählt, doch sie lässt sich ihre Sorgen nicht anmerken.
Kühl betrachtet sie Unwirsch.
Was willst du?“
Hämisch grinsend deutet der Kobold auf den Drachen.
Darf ich dir Kalypso mein liebes Haustier vorstellen?
Er wohnt sonst unter der Erde und wärmt unsere Höhlen.
Doch jetzt wird er deinen Garten bewachen und dafür sorgen, dass niemand hinein oder heraus kann.
Ich gebe dir drei Tage Zeit.
Wenn du bis dann nicht einwilligst meine Frau zu werden, wird  dein Reich vernichtet.
Du siehst, ich habe Kalypso so angekettet, dass sein Feueratem nur bis zum Tor reicht.
Aber wehe, du wirst nicht meine Königin, dann führe ich den Drachen an das Tor und dein Reich wird nur noch Asche sein!“
Unwirsch hebt drohend die Faust, dreht sich um und marschiert mit seinen Soldaten davon.
Ein vorwitziges Wichtelkind steckt neugierig seinen Kopf durch das Gitter.



Der Drache reißt das Maul auf und ein Feuerstrahl schießt auf das Tor zu.
Das Kind fällt vor Schreck rückwärts, bleibt aber unverletzt.
Aurelia hebt die Kleine auf, die sich zitternd an sie schmiegt.
Ernst sieht die Königin ihre Freunde, die sich um sie
scharren, an.
Keiner darf zu nahe an das Tor heran, gebt auf die Kinder acht.
Die Wichtel werden aus Steinen einen Schutzwall errichten, ansonsten geht alles weiter wie bisher.
Wir lassen uns von diesem Kobold nicht unterkriegen!“
Die Wichtel und Elfen jubeln ihrer König zu, was Kalypso veranlasst wieder einen Feuerstrahl loszulassen.


Springinsfeld läuft so schnell er kann und hat das Blumenland bald erreicht,
Die Sonne steht bereits hoch am Himmel und die Blumen recken ihre Köpfe den wärmenden Strahlen entgegen.
Glücklich sieht der Wichtel sich um.
Hier war es genauso schön wie zuhause und bald würden beide Reiche zusammen gehören, wenn nicht … .
Springinsfeld zuckt zusammen, als ihm einfällt warum er gekommen ist.
Er betritt das Schloss und wird von einem freundlichen Blumenelf zu Gernot geführt.
Dieser sieht ihm lächelnd entgegen.
Schön dich zu sehen, Springinsfeld , bringst du mir Nachricht von Aurelia?“
Dieser nickt, nimmt einen Schluck von dem angebotenen Lindenblütentee und erstattet Bericht.
Gernot runzelt die Stirn und seine Miene wird immer besorgter.
Erregt läuft er auf und ab, die Hände zu Fäusten
geballt.
Wäre Unwirsch jetzt hier gewesen, dann hätte er nichts zu Lachen gehabt.



Ein Rotkehlchen fliegt durch das geöffnete Fenster und landet mitten auf dem Tisch.
Es lässt den Brief fallen, den es im Schnabel trägt und richtet seine zerzausten Federn.
Dann erzählt sie den aufmerksam Lauschenden, was inzwischen im Schmetterlingsland geschehen ist.
Springinsfeld wird blass und Gernot vergräbt aufstöhnend das Gesicht in beiden Händen.
Das Rotkehlchen pickt ihn auf den Kopf.
He, zum Jammern hast du keine Zeit.
Frau Eule hat mich geschickt und lässt dir ausrichten, dass du die alte Kräuterhexe Wurzel aufsuchen sollst. Sie hat den Drachen damals Unwirsch geschenkt.“
Gernot sieht den Vogel zweifelnd an.



Ist die Kräuterhexe nicht die Patin von Unwirsch?
Sie wird uns wohl kaum helfen.“
Doch, doch! Frau Eule meint, die alte Wurzel ist zwar eine unfreundliche Person, aber sie hat ein ehrliches Herz und ist bestimmt nicht erfreut über das Treiben ihres Patenkindes .“
Gernot winkt einen Blumenelf herbei und bittet ihn, seinen Umhang zu holen.
Das Rotkehlchen streckt ein Beinchen und meint:
Ich muss jetzt weiter zu den Zwergen. Frau Eule hat mir einen Brief für den Zwergenkönig mitgegeben, denn sie meint, die Zwerge wären die einzigen, die die Kobolde aufhalten können.“
Es nimmt den Brief, lässt ihn dann aber wieder auf
den Tisch flattern.
Übrigens, Frau Eule meint, die Kräuterhexe hat eine Schwäche für Honigmet und den Besten gibt es doch in eurem Reich.“
Mit dem Brief im Schnabel fliegt es davon.

Wenig später ist Gernot auf dem Weg zur 
Kräuterhexe.

Morgen geht es weiter