Dienstag, 23. Juli 2019

Geschichten aus dem Zauberwald Unwirsch 2







Missmutig sitzt Unwirsch auf seinem Thron. Seine

Gedanken sind bei seiner Patentante, der alten

Spielverderberin. Alles hat sie verdorben, als sie Gernot

half, der nun die liebliche Aurelia bekommen hat.

Wie schön wäre die trostlose dunkle Welt hier unten,

würde die Elfe mit ihrem Gesang und ihrer Schönheit das

Koboldreich erhellen.

Darf ein Kobold sich nicht auch nach Sonne und Wärme

sehnen?

Kalypso hüpft in den Saal, setzt sich neben den König

und legt seinen Kopf auf sein Knie.

Zufrieden schließt er die Augen, als sein Herr ihn zu

streicheln beginnt.

Auch so etwas was er seiner Patentante zu verdanken hat,
denkt Unwirsch.

Aus dem furchteinflößenden großen Drachen hat sie nun

ein kleines ungefährliches Tierchen gemacht, das nicht

mal mehr Feuer spucken konnte.

Doch als er auf den kleinen Drachen blickt, der sich

glücklich unter seiner streichelnden Hand streckt, muss er

doch lächeln.

Eigentlich war es doch besser so. Wie oft musste man

aufpassen, dass man nicht unter seine großen

tollpatschigen Füße geriet oder in seinen oft nur aus

Freude ausgestoßenen feurigen Atem.

Für sein Volk war es doch besser, dass Kalypso nur noch

die Größe einer Heuschrecke hatte.





Seine Gedanken schweifen wieder ab und er sieht  vor 

seinen Augen dieses helle goldschimmernde Wesen.

Welch herrliches Lachen sie hatte, wie das Tönen einer

Glocke. Und wie schön sie war!

Unwirsch träumt, dass dieses holde Wesen neben ihm auf

dem Thron sitzt, als seine Königin und der Saal wäre

plötzlich in helles Licht getaucht und er glaubt ihr helles

perlendes Lachen zu hören.

Ganz versponnen in seine Gedanken bemerkt er nicht,

dass Trulla, die Schwester seines Ministers, ihn aus

traurigen Augen beobachtet.

Schon lange liebt sie ihn und obwohl sie immer um ihn

herum ist, bemüht, ihm jeden Wunsch von den Augen

abzulesen, bemerkt er sie gar nicht.
 
Dabei hatte sie sich so oft schon seinetwegen in Gefahr

begeben, wenn sie in der oberen Welt Erdbeeren pflückte,

nur weil er so gerne Erdebeerkuchen aß. Aber egal was

sie tat, er nahm es mit freundlicher Selbstverständlichkeit

entgegen.





Harro, ihr Bruder, tritt hinter sie und legt ihr

kameradschaftlich den Arm auf die Schulter.

he, du liebeskrankes Schaf, gib es auf, er wird dich doch

nie beachten. Er sieht in dir immer noch seine kleine

Freundin und Spielkameradin.”

Trulla legt einen Moment ihren Kopf an seine Schulter

und Tränen schimmern in ihren Augen.

Ich kann nicht, “ flüstert sie und läuft hinaus.

Harro aber geht zu Unwirsch hinüber, der ihn gar nicht 

bemerkt, erst als Kalypso aufspringt und den jungen

Mann freudig begrüßt, hebt der Koboldkönig seinen

Kopf.
Harro, wie gut dass du kommst, du musst mir unbedingt

helfen!”

Ich war gestern heimlich bei Aurelias Hochzeitsfeier.”

Harro verdreht genervt die Augen.

Er kann die Spinnereien seines Freundes einfach nicht

verstehen.

Weißt du, da habe ich gemerkt, so besonders gefällt sie

mir gar nicht mehr. Aber ich habe eine Elfe entdeckt, sie

ist fröhlich hat ein bezauberndes glockenhelles Lachen

und sie strahlt wie die Sonne. Du musst unbedingt

herausfinden wer sie ist, denn ich möchte sie zu meiner

Königin machen.”
Harro betrachtet seinen Freund fassungslos. Er kann diese

dumme Vorliebe seines Freundes für Elfen einfach nicht

verstehen. Die passten doch gar nicht ins Koboldreich und

ganz bestimmt nicht als Königin. Konnte der Freund sich

denn nicht ein Mädchen aus seinem Reich zur Königin

wählen.

Harro denkt an seine Schwester, die Unwirsch innig liebt

und eine wunderbare und kluge Königin wäre.

Doch davon erzählt er seinem Freund nichts, er meint nur

Warum muss es ausgerechnet eine Elfe sein? Es gibt

doch auch sehr schöne Koboldmädchen.”

Unwirsch winkt ab, “die sehen doch alle irgendwie 

langweilig aus und strahlen auch nicht!”

Arme Trulla! denkt Harro.
Unwirsch aber meint nun:

Schicke einige Männer aus und lasse auskundschaften

wer sie ist.”

Er beschreibt nun die Elfe und Harro verlässt

nachdenklich und besorgt den Thronsaal.

Er hat kein gutes Gefühl bei der Sache, doch trotzdem

schickt er seine besten Kundschafter los. Er war nun

einmal der Minister und Unwirsch er König.



Auch Trulla hat die unterirdische Stadt verlassen auf der

Suche nach Erdbeeren.

 



Goldflimmer sitzt in ihrem Zimmer und träumt.

Wie schön war es auf der Hochzeitsfeier ihrer Kusine

Aurelia gewesen und wie wunderbar der Schmetterling

Gaukelchen tanzen konnte. Man konnte regelrecht

schweben in seinen Armen und herrliche Geschichten

wusste er zu erzählen. Er hat sie den ganzen Abend zum

Lachen gebracht.





Goldflimmer lächelt in Gedanken. Sie war verliebt!

Ein Marienkäfer fliegt durch das offene Fenster und lässt

sich stöhnend neben dem Mädchen nieder.

Ich muss mich etwas ausruhen, habe einen weiten Weg

hinter mir.”

Hallo, Frau Siebenpunkt, wo waren sie denn so früh

schon?”

Diese atmet noch ein paar Mal durch, dann verkündet sie

strahlend.

Meine Jungen haben ihre Prüfung bestanden und

bekommen nun ihre sieben Punkte. Deshalb bin ich ins

Wichteldorf, um Maler Kleksel für morgen zu uns zu

bitten. “

Oh wie schön, da werden deine Kinder sich aber freuen

und du und dein Mann seid sicher sehr stolz.”





Frau Siebenpunkt nickt.

Du weißt ja wenn Marienkäferkinder ihre Punkte

aufgemalt bekommen, wird das immer mit einem kleinen

Fest gefeiert. Dazu möchte ich dich ganz herzlich

einladen.”

Ich komme gerne”, lächelt Goldflimmer.

Frau Siebenpunkt sieht sie schelmisch an.

Und du kannst gerne auch Gaukelchen mitbringen.”

Goldflimmer wird rot.

Frau Siebenpunkt lacht gutmütig.

 Ganz Zauberland spricht von nichts anderem. Hat doch

jeder gemerkt dass ich ihr euch gestern verliebt habt.”

Glaubt ihr denn, dass er mich auch liebt, ” fragt

Goldflimmer etwas bang.

So wie er dich angesehen hat, bestimmt, glaube einer

alten Frau, “lacht Frau Siebenpunkt, “ es liegt eine

Hochzeit in der Luft.”

Noch immer lachend erhebt sie sich und fliegt aus dem

Fenster.



Morgen geht es weiter