Montag, 16. September 2019

Die Puppe Namenlos

Einen schönen Wochenanfang wünsche ich euch und beginne gleich mit einer längeren Fortsetzungsgeschichte.
Das bedeutet, dass ich auch übers Wochenende schreibe.
(schmunzeln, ich weiß, dass sich jetzt jemand sehr darüber freut.) 
Viel Spaß beim Lesen!


 



Die Puppe Namenlos




In dem kleinen Städtchen Bernsdorf in der Taubengasse 17 im 2. Stock wohnt die kleine Anna.
Anna ist vier Jahre alt und lebt mit ihrer Mutter in einer kleinen Zweizimmerwohnung.
An ihren Vater kann Anna sich nicht mehr erinnern, denn der hatte sich in eine andere Frau verliebt und Anna und ihre Mutter verlassen, als das kleine Mädchen kaum laufen konnte.
Anna vermisste ihren Papa, den sie kaum kannte, aber nicht.
Hatte sie doch ihre über alles geliebte Mutter und die Nachbarin Oma Jansen.
Oma Jansen holte sie am Nachmittag immer vom Kindergarten ab und sie durfte dann bei ihr bleiben, bis Mutti von der Arbeit kam.
Bei Oma Jansen war es sehr schön.
Das Wohnzimmer war voll gestellt mit wuchtigen alten Möbeln und überall standen kleine Porzellanfiguren und es
roch so schön nach Lavendel und Rosen.
Manchmal spielte Oma Jansen mit ihr oder sie backten Kekse in der kleinen Küche, doch meistens legte die alte Frau ihre schmerzenden Beine hoch und hielt ein kleines Nickerchen.
Dann legte sich Anna bäuchlings auf den Teppich und malte mit ihren Buntstiften ein schönes Bild für Mama.
Meistens lag Minou die rotbraune Katze neben ihr und schnurrte behaglich.



Anna hatte seit einiger Zeit ein kleines Geheimnis, dass sie niemand anvertraute.
Sie wollte so gerne Puppenmutti werden.
Nicht von irgendeiner Puppe, sondern von einer ganz bestimmten.
Sie hatte sie im Schaufenster von „Marions Puppenstube“
gesehen und diese Puppe hatte genau so rote Haare wie Anna.
Jeden Tag wenn sie in den Kindergarten ging, kam sie dort vorbei.
Am Morgen konnte sie nur kurz einen Blick auf ihr „Kind“ richten, denn Mama lief immer so schnell.
Aber Oma Jansen, die Schwierigkeiten mit ihren Beinen hatte, ging immer sehr langsam und musste sich öfter ausruhen
Und neben „Marions Puppenstube“ stand eine Bank.
Während die alte Frau sich ausruhte, lief Anna zum Schaufenster, drückte ihre kleinen Patschhändchen und ihre Nase an die Scheibe und betrachtete voller Liebe und Sehnsucht „ihr Puppenkind.
Einmal fragte sie Oma Jansen, ob sie ihr bitte vorlesen könnte, wie teuer die Puppe mit dem roten Haar, dem grünen Kleid und den braunen Schnürstiefel wohl war.
Die alte Frau seufzte:
Ach Mädelchen, die Puppe kostet 125 Euro, das ist viel zu teuer für deine Mama.“
Und in Gedanken fügte sie hinzu ,“auch für mich, bei meiner kleinen Rente.“
Traurig senkte Anna den Kopf.
Diesen Satz „ viel zu teuer“ kannte sie und normalerweise machte es ihr nichts aus.
Sie war mit so viel Liebe umgeben, dass sie eigentlich nichts vermisste.
Doch diesmal spürte sie einen kleinen Stich im Herzen.
Zu gern hätte sie „ ihre Puppe“ in die Arme genommen.
Aber dann tröstete sie sich.
Sie konnte doch jeden Tag „ihr Kind“ im Schaufenster sehen.
Und frohgemut hüpft sie neben der alten Frau nach Hause.
Doch eines Tages war die Puppe aus dem Schaufenster verschwunden.
Was war geschehen?



Ein fein gekleideter Herr betrat eines Tages das Geschäft und kaufte die schöne rothaarige Puppe für seine Nichte zum Geburtstag.
Er gab der Verkäuferin eine Adresse und bat , die Puppe hübsch einzupacken und an seine Nichte zu senden.
Die Puppe wird aus dem Schaufenster geholt und in eine hübsche Geschenkschachtel gelegt und mit Packpapier versandfertig gemacht.
Margot, die Verkäuferin, die heute allein im Laden war, macht sich auf die Suche nach dem Lehrmädchen Lilli.
Dieses war ein faules mürrisches Mädchen.
Maßlos verwöhnt von einer nachgiebigen Mutter hatte sie sich noch nie in ihrem Leben anstrengen müssen.
Mit Ach und Krach schaffte sie die Schule und die Lehrstelle
in „Marions Puppenstube“ hatte sie nur bekommen, weil die Inhaberin ihre Tante war, die leider genauso nachsichtig war.
Lilli verkroch sich meistens hinten im Lager und hörte Musik.
Und dort sucht sie Margot auch.
Mit energischen Schritten geht sie auf das Mädchen zu, zieht ihr die Ohrstöpsel raus und schnauzt sie an.
Heb deinen faulen Hintern hoch, du musst ein Paket auf die Post bringen.“
Mit mürrischem Gesicht schlurft das Mädchen hinter der Verkäuferin her, klemmt sich das Paket unter den Arm und verlässt den Laden.
Draußen stöpselt sie sich die Lautsprecher wieder ins Ohr und zottelt langsam dahin.
Da die Musik so laut in ihren Ohren dröhnt, hört sie nicht den Warnruf eines Skateboardfahrers , der den Bürgersteig entlang saust.
Er kann zwar mit einem kurzen Schlenker dem Mädchen ausweichen, rumpelt sie aber doch ein wenig an.
Das Paket fliegt in hohem Bogen auf die Straße.
Ein Quietschen von Rädern und das demolierte Paket mit der Puppe landet auf der anderen Straßenseite neben einen roten Hydranten.
Erschrocken blickt Lilli auf die gegenüber liegende Seite.
Sollte sie hinüber gehen und das zerknautschte Paket holen?
Die Puppe war bestimmt kaputt und wenn sie damit zurück ins Geschäft ging, dann musste sie sich nur die nervige Strafpredigt von Margot anhören.
Wer konnte schon beweisen, dass sie nicht auf der Post war?
Und den Einlieferungszettel hatte sie einfach verloren.
Achselzuckend dreht sie sich um und ihr Blick fällt auf die Eisdiele.
Das war eine Idee!
Sie würde sich ein Eis kaufen und wenn sie dann zurück kommt, meint Margot sie käme geradewegs vom Postamt.


Morgen geht es weiter