Donnerstag, 18. Juli 2019

Geschichten aus dem Zauberwald Aurelia 4





Wir müssen eine Versammlung einberufen.“
Mit schnellen Schritten eilt sie hinaus und schickt ein Elfenmädchen in den Garten um alle Wichtel und Elfen in den großen Saal zu bitten.
Gemurmel, Wispern und gelegentliches Kichern erfüllt den Raum, doch als Aurelia eintritt wird es augenblicklich still.
Die Königin setzt sich in die Mitte auf die Decke aus Blumen und sofort eilen die kleinen Wesen zu ihr.
Das gibt ein Gerenne und Gerangel, denn jeder will möglichst nahe bei Aurelia sitzen.
Endlich hat jeder seinen Platz und es herrscht Stille.
Aurelia wirft einen ernsten Blick in die erwartungsvollen Gesichter ringsum.
Ihr könnt euch denken, warum wir uns hier versammelt haben.
Wenn ich Unwirsch nicht heirate, dann wird Schmetterlingsland in Flammen aufgehen.“
Du darfst Unwirsch nicht heiraten! - Lieber sterben wir! - Gernot wird uns retten! - Die Zwerge werden die Kobolde daran hindern! - Der große Feenkönig wird das nicht zulassen!“
Vor Aufregung sind alle aufgesprungen und reden durcheinander.



Aurelia hebt beschwichtigend die Hand.
Das weiß ich alles. Sowohl Gernot, die Zwerge und auch der große Feenkönig werden uns helfen.
Aber was ist, wenn sie zu spät kommen?
Wir müssen uns vor dem Feuer schützen. Hat jemand eine Idee?“
Ich, ich, ich...!“ tönt es von der Tür und Esmeralda kriecht mit hochrotem Kopf in den Saal.
Die Elfen und Wichtel bilden eine Gasse, damit die Schnecke zu Aurelia kann.
Aufatmend bleibt sie stehen, zieht ihre Fühler ein und verschwindet in ihrem Haus.
Alle warten, dass sie wieder heraus kommt, doch nichts geschieht.
Aurelia seufzt. Manchmal braucht man viel Geduld im Umgang mit Esmeralda.
Vorsichtig klopft sie an das Schneckenhäuschen und die Schnecke streckt ihren Kopf heraus.
Entschuldige, nun wäre ich doch beinah eingeschlafen, aber der Weg hierher war ja auch ...“
Du wolltest uns von deiner Idee erzählen,“ unterbricht Aurelia sie sanft.



Ja,ja,ja“, stammelt die Schnecke, „ habe mich mit
Spitznase, dem Maulwurf unterhalten und er meint, das Feuer könne ihm nichts anhaben so tief unter der Erde.“
Das ist es!“ jubelt Aurelia.
Sie nimmt den Kopf der Schnecke und gibt ihr einen schallenden Kuss.
Esmeralda errötet vor Freude, zieht sich aber erschrocken zurück, als ringsum ohrenbetäubender Lärm aufbrandet.
Wichtelmännchen werfen jauchzend ihre Mützen in die Höhe, schnappen sich ein Wichtelfrauchen und tanzen ausgelassen durch den Saal.
Die Elfen schwirren übermütig durch die Luft.
Die Kinder kreischen fröhlich und schlagen Purzelbäume.
Aurelia bleibt still sitzen und betrachtet lächelnd das ausgelassene Treiben.
Avar sitzt kopfschüttelnd daneben und von Esmeralda hört und sieht man nichts.
Als endlich wieder Stille eintritt verteilt Aurelia die Aufgaben.
Weißbart, der Älteste der Wichtel, wird zu Spitznase geschickt, um den besten Platz für die Schutzhöhle zu finden,
Die Wichtelfrauen müssen Kleider, Decken und Kissen zusammensuchen, um die Höhle gemütlich auszustatten.
Die Elfen sollen genügende Nahrung sammeln und die Kinder werden zu den Spinnen gesandt.
Diese sollen über den Maulwurfhügel ein Netz weben, das dicht genug ist, um den Rauch abzuhalten, aber doch so feinmaschig, dass genügend Luft durchdringt.
Eilig verlässt das kleine Völkchen den Saal.
Froh darüber etwas gegen die drohende Gefahr unternehmen zu können.


Gernot betrachtet sinnend die Kugel in seiner Hand, dann wickelt er sie vorsichtig in das schützende Tuch und verstaut sie in einer Tasche, die er sich umhängt.
Springsinsfeld steht vor der Tür.
Kann ich herein kommen?“
Gernot nickt abwesend.
Mit den Gedanken ist er bei der schweren Aufgabe,
die vor ihm liegt.
Ich möchte dich begleiten!“ reißt ihn die Stimme des Wichtels aus seinen Grübeleien.
Der Elfenkönig schüttelt den Kopf.
Nein, das ist viel zu gefährlich!“



Aber es ist meine Familie, es sind meine Leute die in Gefahr sind!“ ruft Springinsfeld verzweifelt.
Gernot tritt zu ihm und legt ihm beide Hände auf die Schulter.
Verzeih mein Freund, daran habe ich nicht gedacht.
Lass uns zusammen gehen, aber ist dir bewusst, dass die Sache sehr gefährlich ist und wir vielleicht unser Leben verlieren?“
Springinsfeld nickt stumm.
Es ist schon fast dunkel, als sie den Wald erreichen.
Müde setzen sie sich ins Gras.
Heute hat es wohl keinen Sinn mehr. Am besten wir suchen uns einen sicheren Schlafplatz.“
Springinsfeld nickt nur, er ist viel zu erschöpft, um zu antworten.




Ein Rauschen lässt sie zusammen zucken.
Ein dunkler Schatten taucht über ihnen auf.
Frau Eule lässt sich schwer atmend neben ihnen nieder.
Ich habe auf euch gewartet. Hier seid ihr nicht sicher.
Unwirsch weiß, dass du Aurelia zu Hilfen eilen wirst, Gernot. Seit einiger Zeit treiben sich seine Kobolde im Wald herum, um dich abzufangen.
Im Moment werden sie von den Füchsen und Dachsen durch die Gegend gescheucht.“
Frau Eule kichert.
Aber nun kommt. Morgen müsst ihr ausgeruht sein.
Ihr könnt bei mir schlafen. Morgen früh hole ich euch dann wieder
herunter.“
Sie breitet die Flügel aus und die Zwei klettern auf ihren Rücken.
Auf dem Ast vor ihrer Höhle setzt die Eule sie ab und fliegt davon.
Kaum sind die zwei Freunde durch die Öffnung gekrabbelt und haben das Bett erreicht, schlafen sie auch schon ein.
Nach einem langen wohltuenden Schlaf erwacht Gernot.
Er stellt sich an den offenen Eingang.
Es ist seltsam die Welt von dieser Höhe aus zu betrachten.
Die Sonne erhebt sich aus ihrem Bett und vertreibt die letzten Fetzen der Nacht.

Morgen geht es weiter