Mittwoch, 18. September 2019

Die Puppe Namenlos 2

Zuerst einmal möchte ich mich bei Einwegspritze und Astrid recht herzlich für die netten Worte bedanken. Freue mich.
Seit das Kommentieren wieder aktiviert wurde, seid ihr die Ersten.
Viel Spaß beim weiter lesen!






Namenlos ist plötzlich nicht mehr traurig, das Gespräch mit dem Vogel hat ihr gut getan.
Auch ist die Sonne jetzt höher gewandert und hüllt sie in eine wohlige Wärme.
Sie weiß nicht, wie lange sie gedöst hat, doch plötzlich steht Ramon neben ihr.
In seinen Barthaaren hängen noch einige Tröpfchen Sahne und er wischt sie mit der Pfote weg und leckt dann diese genüsslich ab.
Das war ein Schmaus, Sahne vom Feinsten. Leider kam Prisillas Frauchen heraus und hat mich verjagt.“
Der Kater kichert.
Soviel ich mitbekommen habe, wird Prisilla gerade in die Badewanne gesteckt. Ihr Frauchen denkt sie hätte sich Flöhe bei mir geholt. Pah! Als wenn ein Floh bei mir eine Chance hätte!“
Er wirft stolz den Kopf hoch.
Und wie ist es dir inzwischen ergangen?“
Namenlos erzählt ihm von dem Besuch der Blaumeise und auch von der Frau, die Puppen wieder heilen kann und als sie Hannchen erwähnt, fängt Ramon vergnügt zu grinsen an.
Ach, das gute alte Hannchen. Es ist stocktaub und blind und ich habe ihr schon oft Futter vor der Nase weg geschnappt.“
Er setzt sich, legt seinen Schwanz um die Vorderbeine, was ihm das Aussehen einer Statue gibt.
Die alte Hanna hat ein liebes Frauchen, das lässt sie nicht einschläfern und sorgt rührend für sie. Ja Hanna hat ein schönes Zuhause.“
Aus seiner Stimme klingt eine leise Sehnsucht.
Doch Namenlos beschäftigt noch etwas anderes.
Warum gibst du dich mit einer so hochnäsigen Zicke wie Prissilla ab?“ will sie wissen.
Der Kater grinst frech.
Weil ich eben ein unwiderstehlicher Herzensbrecher bin.“
Doch dann wird er wieder ernst und ganz tief im Hintergrund seiner Augen liegt eine leise Traurigkeit.
Das Leben als Straßenkater ist nicht immer leicht. Ständig bist du auf Nahrungssuche, die du dann meistens noch gegen andere Katzen verteidigen musst.
Auf der Straße herrscht das Recht des Stärkeren. Auch kommen jedes Jahr junge Kater, gegen die du dein Revier verteidigen musst und je älter ich werde, umso schwerer fällt es mir.“
Er streckt sich und hebt stolz den Kopf.
Bisher aber konnte mich noch keiner besiegen und was Prisilla betrifft. Nun diese Hauskatzen werde ja maßlos verwöhnt. Da ist es gut, wenn man ein paar Adressen kennt.
Und meinem Charme kann doch keine widerstehen.“
Namenlos kichert und auch Ramon muss grinsen.
Nun aber zu deinem Problem. Wir werden Hannchens Frauchen einen Besuch abstatten.“
Er fasst das Kleide der Puppe, doch diese fleht:
Geht es nicht auch anders, mir wird von dem Geschaukel immer so schwindelig.“
Der Kater betrachtet sie aus zusammengekniffenen Augen.
Meinst du, du könntest auf meinen Rücken klettern?“
Ramon macht sich ganz lang und schmal auf dem Ast und Namenlos klettert mühsam auf seinen Rücken.
Durch die ausgekugelten Beine ist es etwas schwierig, aber sie schafft es und schlingt beide Arme um den Hals des Katers.
Dieser flitzt den Stamm hinunter.
Unten angekommen stöhnt er krächzend.
Könntest du vielleicht den Griff um meinen Hals etwas lockern, du erwürgst mich ja.“
Entschuldige.“
Namenlos setzt sich auf und hält sich am Fell des Freundes
fest.




In gemächlichem Tempo geht es nun durch die Straßen und Gassen, dann schlüpft der Kater in einen Garten.
Ein Mops verlässt gerade das Haus und trottet schwerfällig durch den Garten.




An einem sonnigen Plätzchen lässt er sich mit einem zufriedenen Schnauben ins Gras plumpsen, legt den Kopf auf die Pfoten und schließt die Augen.
Eine Frau mit langem gelocktem blonden Haar kommt in den Garten, einen Futternapf in der Hand.
Zielstrebig eilt sie auf den Hund zu.
Ramon hebt schnuppernd die Nase, dann setzt er Namenlos direkt vor der Terrassentür ab.
Etwas verlegen sehen sie sich an.
In der kurzen Zeit sind sie gute Freunde geworden und der
Abschied fällt ihnen schwer.
Der Kater räuspert sich.
Dann will ich mich mal wieder auf den Weg machen.“
Er wirft einen Blick über die Schulter.
Sie kommt zurück, hier kann sie dich nicht übersehen. Viel Glück!“
Dann grinst er :
Ich glaube, ich muss Hannchen helfen ihre Futterschüssel zu leeren.“
Mit hoch erhobenem Schwanz stolziert er davon.



Die blonde Frau aber eilt durch den Garten dem Haus zu und stutzt, als sie die Puppe entdeckt.
Nanu, du warst doch eben noch nicht hier?“
Suchend sieht sie sich um , kann aber niemanden entdecken.
Sie bückt sich und hebt die Puppe auf.
Armes Hascherl, dich hat man ja übel zugerichtet.“
Mit einem Ruck hat sie die Beine wieder eingerenkt.
Siehst du Schätzchen, die Beine gehören schon wieder dir.“
Ein Mann kommt auf die Terrasse.
Inge, wo bleibst du denn, wir müssen fahren.“
Gleich Hubert, sieh nur, was ich gefunden habe. Ich will sie nur schnell waschen.“
Der Mann wirft einen kurzen Blick auf die Puppe und nickt.
Aber beeil` dich.“
Inge eilt mit der Puppe ins Badezimmer.
Das schmutzige zerrissene Kleid landet im Mülleimer.
Dann wird Namenlos in ein duftendes Schaumbad gesteckt und anschließend in ein kuschelig weiches Handtuch gehüllt.
Sie wird auf liebevolle Arme genommen und in einer Puppenwiege abgelegt.
Inge beugt sich hinunter und sieht sich den kaputten Arm an.
Später werde ich mich um deine Nase und den Arm kümmern, doch nun muss ich zu meinem Mann.


Morgen geht es weiter