Freitag, 19. Juli 2019

Geschichten aus dem Zauberwald Aurelia Ende

Mit dem Ende der Geschichte wünsche ich euch ein schönes sonniges Wochenende.





Die Vögel ringsum rumoren in ihren Nestern und einige sind schon unterwegs zur Futtersuche.
Doch ihr fröhliches Gezwitscher, mit dem sie jeden Morgen Frau Sonne begrüßen, ist heute nicht zu hören.




Eichkätzchen laufen an den Baumstämmen hinunter und verschwinden, sich immer wieder ängstlich umsehend, im Unterholz.
Es liegt eine gespenstische Stille über dem Wald.
Unwirsch hat mit seiner Bosheit, Angst und Traurigkeit in das fröhliche glückliche Zauberland gebracht.
Gernot presst grimmig die Lippen aufeinander.
Er würde diesem Treiben ein Ende setzen und sollte er dafür mit dem Leben bezahlen.
Er stellt sich auf die Zehenspitzen, um einen Blick auf das Schmetterlingsreich zu werfen.
Auch hier herrscht eine gespenstische Stille, als wäre das Land in einem Dornröschenschlaf gefallen.
Ein Rauschen kündet die Eule an.




Gernot tritt beiseite, damit sie in die Höhle schlüpfen kann.
Sie hat den Schnabel voller Blüten und lässt sie auf den Boden fallen.
Ich habe euch Frühstück mitgebracht. Mäuse wollt ihr ja sicher nicht essen,“ lacht sie.
Igitt! Wir sollen Mäuse essen!“
Springinsfeld sitzt auf dem Bett und reibt sich verschlafen die Augen.
Dummerchen, ich habe euch frische Blüten mitgebracht, hängen sogar noch Tautropfen dran.“
Hmm, prima!“
Der Wichtel springt aus dem Bett und stürzt sich auf die Mahlzeit.
Der Elf steht wieder am Eingang und sieht sinnend hinaus.
Frau Eule stellt sich neben ihn.
Wurzel lässt dir ausrichten, du sollst keine Angst haben. Sie weiß, du wirst es schaffen. Auch soll ich dich an dein Versprechen erinnern, was immer das auch ist.“
Gernot nickt ernst.
Ich soll Kalypso nicht töten.“
Pah!“
Die Eule schüttelt den Kopf.
Wir werden dir die Kobolde vom Leib halten,
Aber nun iss, bevor der Vielfraß dort hinten dir alles weg isst. Du brauchst deine ganze Kraft!“
Springinsfeld läuft rot an und zieht schnell die Hand zurück, mit der er nach der letzten Blüte greifen will.
Die Eule beäugt ihn spöttisch.
Ich werde jetzt schlafen, weckt mich bevor ihr los zieht.“
Sie wackelt zu ihrem Bett, dann hebt sie lauschend den Kopf.
Hätte nicht gedacht, dass ich das Federvieh mit seinem Gezwitscher einmal vermissen werde.“
Kopfschütteln macht sie es sich bequem und bald verkünden kleine Schnarchtöne, dass sie schläft.
Nachdem sich Gernot auch gestärkt hat, setzen sich die beiden Freunde vor der Höhle auf einen Ast.
Sie bleiben nicht lange allein.
Ein Buchfink - Weibchen setzt sich zu ihnen auf einen kleinen Schwatz.
Eine Goldammer gesellt sich dazu.
Ein Kleiber klettert vergnügt den Stamm hinauf und hinunter. Er kann nicht lange still sitzen.
Später kommt noch ein Rotkehlchen, ein
schüchterner kleiner Zaunkönig, eine Blaumeise, ein Sperling und eine Lerche.
Der ganze Baum ist voll mit Vögeln.
Sie schwatzen und lachen, sprechen Gernot Mut zu
und veranstalten einen entsetzlichen Lärm.
Der Elfenkönig befürchtet schon, Frau Eule würde aufwachen.



Doch seltsamerweise rührt sich nichts in der Wohnung.
So vergeht die Zeit wie im Fluge und mit einem Blick zum Himmel stellt Gernot fest, dass die Sonne sich ihrem höchsten Stand nähert.
Wir müssen aufbrechen,“ murmelt er.
Sofort verstummt das fröhliche Geschnatter.
Der Eichelhäher räuspert sich.
Wir wünschen dir viel Glück!“
Viel Glück! Viel Glück! Viel Glück!“ ertönt es ringsum und die Vögel fliegen davon.
Kaum sind sie weg, steckt Frau Eule ihren Kopf heraus.
Na endlich! Es kann doch niemand schlafen bei diesem Lärm,“ brummt sie, aber sie sieht nicht böse aus.
Es wird Zeit mein Junge!“
Gernot und Springinsfeld klettern auf den Rücken des Vogels und dieser setzt sie auf dem Waldboden ab.
Viel Glück ihr beiden, ich werde in der Nähe
bleiben.“
Die Eule fliegt davon.
Der Elfenkönig und sein Freund gehen schweigend nebeneinander durch den Wald.
Plötzlich steht ein Fuchs vor ihnen.
Viel Glück Gernot, du rettest nicht nur Aurelia, sondern uns alle.“
Er dreht sich um und verschwindet im Unterholz.
Es raschelt und die spitze Nase des Fuchses taucht wieder auf.
Übrigens, wir werden dir die lästigen Kobolde vom Leibe halten.“
Er grinst verschmitzt.
Die können vielleicht laufen!“
Dann ist er verschwunden.
Gernot fühlt sich auf einmal sehr stark.
Das Vertrauen seiner Freunde gibt ihm Kraft.
Ein Blick zur Sonne zeigt ihm, dass diese sich immer mehr dem Zenit nähert.
Er nimmt Springinsfeld am Arm.
Komm, wir laufen das letzte Stück.“
Sie spurten los und erst, als sie Kalypso angekettet am Felsen sehen, werden sie langsamer.
Hinter einem großen Stein gehen sie in Deckung.
Gernot legt Springinsfeld die Hand auf die Schulter.
Mein Freund, ich bin sehr froh, dass du mich begleitet hast. Ich brauche deine Hilfe!
Während ich versuche mich so nah wie möglich an den Drachen heranzuschleichen, musst du ihn ablenken. Bringe ihn aber dazu, dass er in meine Richtung blickt, damit ich ihm den Sonnenstrahl direkt ins Auge lenken kann.
Aber hüte dich vor dem Feuer. Viel Glück!“
Sie umarmen sich stumm und der Wichtel verschwindet im hohen Gras.
Der Elfenkönig nimmt die Kristallkugel fest in die Hand und schleicht an den Drachen heran, bis er fast seine Nase berührt.
Springsinsfeld springt aus seinem Versteck, hüpft vor dem Drachen herum, wedelt mit beiden Armen und brüllt.
Fang mich doch, du schwerfälliges, dummes Ungetüm.
Niemals wirst du unser wunderschönes Reich zerstören!“
Grollend wendet der Drache sein riesiges Haupt hin und her und eine große Feuerwolke walzt in ihre Richtung.
Der Wichtel und der Elf können sich gerade noch mit einem kühnen Sprung hinter einem Felsen in Sicherheit bringen.
Dabei verliert Gernot die Kristallkugel, die auf den Drachen zurollt.
Er will ihr nach, da rauscht es über ihm, Frau Eule
stößt im Sturzflug hinunter, packt den Kristall und wirft ihn Gernot zu.




Jetzt!“
Der Elfenkönig rennt los, die Kristallkugel über dem Kopf haltend.
Der Drache wirft wütend und grollend den Kopf hin und her und reißt sein riesiges Maul auf.
Gernot glaubt sein letztes Stündlein hat geschlagen.
Da schießt aus dem Kristall ein gleißender Strahl mitten in die Augen des Ungetüms.
Ein Zittern fährt durch den mächtigen Körper und er beginnt zu schrumpfen, bis er nur noch die Größe einer Heuschrecke hat.
Das Feuer aus seinem Maul kann nicht mal mehr einen Grashalm versengen und die Rauchwolken aus seinen Nüstern sind nicht größer als der Samen einer Pusteblume.
Gernot und Springinsfeld fallen sich jubeln in die Arme.


Kalypso nützt die Gelegenheit und rennt weg.
Mit seinen kurzen Beinen kämpft er sich durch das hohe Gras.
Auf einmal wird er hochgehoben, schwebt einen Moment in der Luft und landet in Wurzels Schürze.
So, mein Kleiner, du könntest leicht zu schaden kommen. Ich bringe dich zu deinem Freund.
Jetzt hast du auch die passende Größe für das Haustier eines Kobolds.
Hätte ich schon viel früher machen sollen, dann wäre uns der ganze Ärger hier erspart geblieben.“
Die Kräuterhexe eilt mit weit ausholenden Schritten zu der Stelle, an der die beiden Freunde immer noch ihren Freudentanz aufführten.
Während ihr hier herum hüpft wie die Verrückten, hat sich dieser Geselle aus dem Staub gemacht!“
poltert Wurzel und öffnet ihre Schürze.
Der Elf und der Wichtel werden ganz verlegen.
Gernot reicht ihr mit einer Verbeugung die Kristallkugel.
Vielen Dank!“
Ist schon gut,“ knurrt diese, „ich habe nur geholfen, aber du hast durch deinen Mut und deine Beherztheit das Zauberland vor einem großen Unheil bewahrt.“
Sie wirft einen grimmigen Blick auf den Wichtel.
Der Kleine hat sich auch wacker geschlagen!“
Springinsfeld hält ihrem finsteren Blick stand und schaut ihr frei und offen ins Gesicht.


Wenigstens ist er nicht so eine Memme, wie deine Blumenelfen,“ brummt sie und senkt den Kopf, um die Kugel in ihrer Kräutertasche zu verstauen.
Oder will sie ein Lächeln verstecken?
So nun werde ich meinem Patenkind sein neues
Haustier bringen und ihm kräftig die Leviten lesen.“
Mit einem kräftigen Stups drückt sie den Drachen, der neugierig aus der Schürze lugt, zurück und stapft davon.
Gernot und der Wichtel laufen nun schnell zum Schmetterlingsland.




Das Tor ist verschlossen und dahinter türmen sich Steine zu einer Mauer auf.
Sie rütteln an dem Gitter und rufen, doch nichts rührt sich.
Der Garten ist wie ausgestorben.
Frau Eule fliegt heran.
Die ganze Aufregung heute bringt sie wirklich um ihren Schlaf.
Wurzel hat sich schon gedacht, dass ihr Hilfe braucht.“
Eusebia kichert.
Sie hat die herum schleichenden Kobolde aufgescheucht und treibt sie nun wie eine Herde Schafe zurück ins Koboldreich. In der Haut von
Unwirsch möchte ich jetzt nicht stecken.
Aber nun kommt, ich bringe euch über die Mauer.“
Sie nimmt die zwei Freunde auf ihren Rücken und
setzt sie im Garten ab.
Hier könnt ihr alleine weiter und ich will nun endlich schlafen!“
Mit rauschenden Flügel fliegt sie über die Mauer und verschwindet im Wald.
Der Elfenkönig und der Wichtel aber streifen durch den Garten.
Es ist ruhig, kein Lebewesen ist zu sehen, kein Laut zu hören.
Selbst das Schloss ist leer.
Ratlos setzen sie sich auf die breiten Stufen vor dem Schloss.
Wo können sie nur sein? Sie müssen sich irgendwo versteckt haben?“ grübelt Gernot.



Springinsfeld grinst.
Lass uns den Schutzwall vor dem Tor abbauen und möglichst viel Lärm machen.
Wichtel sind sehr neugierig.“
Sie tragen nun Stein für Stein ab und lassen sie polternd neben dem Tor zu Boden fallen.
Dabei machen sie mehr Lärm, als nötig.
Als sie ein Rascheln hinter sich hören, grinsen sie sich an, drehen sich aber nicht um.







Springsinsfeld!“ jubelt ein Wichtel.

Es ist Spoki, sein Bruder, um seinen Hals hängen noch einige Spinnweben.
Glücklich umarmen sich die Brüder.
Schnell wird erzählt, dann laufen sie zum Maulwurfshügel.
Weißbart späht heraus, doch als er sieht, wer da angelaufen kommt, klettert er flugs heraus.
Sie entfernen die restlichen klebrigen Spinnweben,
dann klettert Spoki zurück, um die Anderen zu holen.
Bald kommen sie heraus.
Die Ersten noch zögernd, doch dann geht es ganz schnell.
Aurelia verlässt als Letzte das unterirdische Gebäude.
Sie hat sich noch von Spitznase verabschiedet und sich bedankt.
Der Maulwurf ist froh wieder seine Ruhe zu haben.
Gernot strahlt , als er seine wunderschöne Braut erblickt und liebevoll nimmt er sie in die Arme.
Aurelia beginnt zu singen, so schön und jubilierend wie schon lange nicht mehr.
Die kleinen Wesen tanzen ausgelassen durch den Garten.
Die Vögel im Wald beginnen erst leise dann immer lauter zu zwitschern.
Dazwischen hört man das zornige „Ruhe!“ von Frau Eule.
Die Sonne lacht voller Glück auf die kleine Schar herunter.
Schließlich hat auch sie geholfen, das Zauberland zu retten.
Unwirsch aber wurde vom großen Elfenkönig ernstlich verwarnt und Wurzel hat ihm auch ganz schön die Leviten gelesen.

Die Hochzeit von Aurelia und Gernot wird bald gefeiert und das ganze Zauberland feiert mit.
Die Kräuterhexe bekommt ein extra großes Glas Honigmet und Springinsfeld behauptet, er hätte sie
sogar Lächeln gesehen.

 
© Lore Platz