Freitag, 19. Juli 2019

Geschichten aus dem Zauberwald - Unwirsch


Eine neue Woche, eine neue Geschichte.
Wisst ihr Unwirsch tat mir ein wenig Leid, denn im Grunde seines Herzens ist er gar kein so schlechter Kerl. Also machte ich mich auf den Weg, um ihm eine passende Frau zu suchen, was leider gar nicht leicht war, denn bis der bockbeinige Geselle endlich bemerkte, wo sein Glück liegt, oje.
Viel Spaß beim Lesen!






Unwirsch


Gernot und Aurelia feiern Hochzeit.

Wichtel, Zwerge, Elfen und Feen und alle Tiere des

Waldes tummeln sich auf der großen Festwiese.

Herr Dompfaff steht unter einem großen Baum und
 
wartet auf das Brautpaar.

Ein “Aaaaah” geht über die Wiese als Aurelia an

der Hand von Gernot und begleitet von vier

Wichtelkindern, die mit ernstem Gesicht Blumen

streuen, über den Blumenteppich schreitet.

Als Gernot nach der Trauung seine bezaubernde

Braut küsst, jubeln die Hochzeitsgäste.

Die Zwerge und Wichtel werfen ihre Mützen in die

Höhe, schnappen sich ein Frauchen und wirbeln

übermütig über die Wiese zu den fröhlichen

Weisen, die die Grillen ihren Fiedeln entlocken.




 
Die Elfen haben sich etwas Besonderes

ausgedacht. Sie schweben über dem Brautpaar

und lassen weiße Blüten regnen.

Staunend und mit vielen “Aaaahs” und “ Oooos”

sehen besonders die Kinder diesem Blütenregen zu

und ein kleines Wichtelkind ruft entzückt: “Schnee

im Sommer!”

Alles lacht.

Es war ein wunderbares Fest. Es wurde gelacht,

getanzt, gesungen und wer müde war vom vielen

Herumhüpfen, setzte sich an einen der langen

Tische und ließ sich die vielen Köstlichkeiten, die

es dort gab, schmecken.
 



Es gibt nur einen, der sich überhaupt nicht freut.

Unwirsch robbt durch das Gras bis zu der Lichtung und

beobachtet mit grimmigem Gesicht, wie Aurelia mit

Gernot tanzt und ihn dabei voller Liebe anstrahlt.

Knurrend ballt er die Fäuste.

Doch da wird sein Blick, wie magisch angezogen von

einem leuchtenden Lichtwesen.




Eine Elfe tanzt übermütig lachend mit Gaukelchen und

ein Strahlen geht von ihr aus, als hätte sie sich heute

Morgen in der Sonne gebadet.

Vergessen war Auriela, Unwirsch hat sich wieder

verliebt.

Das Lachen der kleinen Elfe klingt wie eine liebliche

Melodie in den Ohren des Kobolds und in seinem Eifer

robbt er noch näher.






Doch da wird er am Kragen gepackt und auf die Füße

gestellt.

Seine Patentante steht vor ihm und sieht ihn aus wütenden

Augen an.

Unwirsch presst trotzig die Lippen zusammen und gibt

den finsteren Blick zurück.

Die hatte ihm gerade noch gefehlt!

Was suchst du hier? Willst du wieder Unfrieden

stiften!”schnauzt sie ihn leise an.

Der Kobold gibt keine Antwort und schaut nur trotzig an

ihr vorbei.

Wurzel zerrt ihn weg in den Wald und als man sie nicht

mehr auf der Festwiese hören kann, wettert sie los.

 
Hast du denn kein bisschen dazu gelernt! Weißt du wie

viel Überredung es mich gekostet hat, damit du und dein

Volk nicht auch zu den Riesen verbannt worden seid, wie

Kuddelmudel und seine Söhne Flip und Flap. Ich habe

dem Feenkönig mein Wort gegeben, dass du keine

Dummheiten mehr machst!”

Unwirsch hält den Kopf gesenkt, als würde er sich

schämen.

In Wirklichkeit kann er seine Wut kaum bezähmen, denn

wenn seine Patentante sich nicht eingemischt hätte, dann

würde er heute Hochzeit mit Aurelia feiern und auch so

lustig und vergnügt tanzen. Später würde ihm dann

Aurelia in seiner dunklen trostlosen Höhle mit ihrer

wunderschönen Stimme die herrlichsten Lieder vorsingen.

Er ballt die Fäuste und knirscht mit den Zähnen.

Wurzel gibt ihm einen Stoß in den Rücken.

Geh nach Hause, wenn man dich hier entdeckt, dann

kann ich dir nicht mehr helfen.”






Unwirsch setzt sich in Bewegung.

Seine Wut und sein Hass sind riesengroß.

Im Vorbeigehen gibt er dem Fliegenpilz einen Tritt, dass

diesem der schöne rotweiß gepunktete Hut vom Kopf fällt

und er empört aufschreit.

Der wütende Kobold stapft durch einen Ameisenbau,

dessen Wände einstürzen und die kleinen emsigen

Arbeiter erschrocken durcheinander laufen.

Mit geballter Faust schlägt er in einen Blaubeerstrauch

und die grünen noch unreifen Beeren fallen herunter und 
 
Mutter Strauch schreit entsetzt auf.

Unwirsch wird gepackt und kräftig geschüttelt. Er blickt

ins Wurzels zorniges Gesicht.

Bist du von Sinnen!” schimpft sie, “ sieh doch nur, was

du angerichtet hast!”

Sie lässt ihn los und der Kobold taumelt und wäre fast

hingefallen.

Wurzel aber bückt sich und hebt den Hut des

Fliegenpilzes auf.

Mit einem “Danke” stülpt ihn dieser auf seinen Kopf und

wirft dabei Unwirsch einen bitterbösen Blick zu.

Dann hebt Wurzel ihre Schürze und kichernd springen

die Blaubeeren hinein.

Die Kräuterhexe schüttelt sie über den Strauch und sie 
 
hängen sich fröhlich kreischend an die Blätter.

Mutter Strauch schließt sie liebevoll in die Arme.

Herzlichen Dank, sie sind doch noch viel zu grün und

unreif, um schon durch die Welt zu purzeln.”

Wurzel geht weiter zu dem zerstörten Ameisenbau und

mit einem Schnippen ihres Fingers bringt sie diesen

wieder in Ordnung.

Ein vielstimmiges “Danke schön” erklingt bevor die

kleinen schwarzen Tierchen unter der Erde verschwinden.





Wurzel aber wendet sich nun an ihren Patensohn, der

unbeteiligt daneben steht und in die Ferne schaut.

Kurz blitzt Wehmut in den Augen der Hexe auf, dann

wird ihr Blick wieder hart.

Was ist nur aus dir geworden? Du warst einmal so ein
 
süßer kleiner Junge. Dein Vater war ein guter und

gerechter König, der mit den Wesen in der oberen Welt in

Frieden lebte.”

Sie seufzt.

Vielleicht warst du ja noch zu jung, als deine Eltern

verunglückten und dann noch der schlechte Einfluss

deines Onkels Kuddelmuddel und seinen nichtsnutzigen

Söhnen Flip und Flap.

Sie haben es entschieden zu weit getrieben, als sie den

Zwergenprinzen entführten. Du siehst ja wie es ihnen

dann ergangen ist. Der große Feenkönig hat sie ins Land

der Riesen verbannt.”

Wurzel legt ihrem Patensohn die Hand auf die Schulter.

Weißt du eigentlich wie sehr ich dafür kämpfen musste,

nachdem du diese dumme Sache mit Aurelia gemacht

hast?

Ich habe dem Feenkönig mein Wort gegeben, dass du in

Zukunft vernünftig bist und keine Dummheiten mehr

machst. Noch einmal kann ich dir nicht helfen”
 
Sie will ihm über den Kopf streichen, doch Unwirsch

duckt sich und weicht einen Schritt zurück.

Traurig lässt Wurzel die Hand fallen.

Geh nach Hause!”

Unwirsch dreht sich um und stapft durch den Wald.

Die Kräuterhexe sieht ihm nach und erst als er im

Höhleneingang zu seinem Reich verschwindet, dreht sie

sich um und geht mit langsamen müden Schritten zu ihrer 

Hütte.

Zum Feiern hat sie keine Lust mehr.




Auf der Hochzeitsgesellschaft aber geht es lustig weiter.

Niemand hat von der Auseinandersetzung zwischen

Unwirsch und Wurzel etwas gemerkt.

Es wurde gegessen, getrunken, getanzt und gelacht bis

spät in die Nacht.

Die Glüwürmchen haben sich auf die Sträucher und

Bäume gesetzt und Vater Mond hat noch extra eine helle

Lampe aus seinem Schrank geholt und betrachtet mit

gutmütigen Lächeln die ausgelassene Gesellschaft auf der

Wiese.

Endlich aber tanzen Aurelia und Gernot den letzten Tanz

und verabschieden ihre Gäste freundlich aber bestimmt.





 
In kleinen Grüppchen geht es nun nach Hause, begleitet

von Glühwürmchen, die vor ihnen den Weg beleuchten.

Still und verlassen liegt der Festplatz ein wenig später da.

Nur ein paar Mäusedamen sind noch da, um etwas von

dem übrig gebliebenen Essen mit nach Hause zu nehmen.

Dann aber kehrt endgültige Ruhe ein.


Morgen geht es weiter